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Wenn Du Ende November durch eine schwedische Kleinstadt spazierst, fällt Dir etwas auf, das Du so aus Deutschland kaum kennst: In fast jedem Fenster leuchtet ein Adventsleuchter, oft mit sieben Lichtern in Pyramidenform, und daneben hängt ein Stern aus Papier, der sein warmes Licht in die frühe Dunkelheit schickt. Ganze Straßenzüge sehen dann aus, als hätten sich alle Nachbarn abgesprochen. Für mich gehört dieser Anblick zu den schönsten Momenten des schwedischen Jahres, denn er zeigt, wie die Schweden der langen, dunklen Jahreszeit begegnen: mit Licht, mit Gemütlichkeit und mit kleinen Ritualen, die jedes Jahr wiederkehren.

In diesem Artikel erzähle ich Dir, was es mit dem schwedischen Adventsleuchter und dem Adventsstern auf sich hat, woher die beiden eigentlich kommen und warum der erste Advent in Schweden ein so besonderer Tag ist. Außerdem bekommst Du ein kleines Advents-Wörterbuch und ein paar Ideen, wie Du Dir dieses Stück Schweden ganz einfach nach Hause holst. 2026 fällt der erste Advent übrigens auf den 29. November, Du hast also noch genug Zeit, um alles vorzubereiten.

Wenn ich an Advent in Schweden oder mit Schweden denke, dann erinnere ich mich immer daran, dass in der schwedischen Firma, wo ich gearbeitet habe die Adventsleuchter herausgeholt wurden und in jedem Bürofenster dann eins geleuchtet hat. Oder wie wir im Chor der Schwedischen Kirche den Adventssonntagsgottesdienst mitgestaltet haben.

Wann beginnt die Adventszeit in Schweden?

Die Adventszeit umfasst in Schweden genau wie bei uns die vier Sonntage vor Heiligabend, und mit ihr beginnt auch das neue Kirchenjahr. Das Wort advent stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Ankunft“, gemeint ist die Ankunft von Jesus Christus. Der erste Advent heißt auf Schwedisch första advent (erster Advent) oder etwas ausführlicher första söndagen i advent (erster Sonntag im Advent), und für viele Schweden ist er der eigentliche Startschuss für die Weihnachtszeit.

In der Kirche wird am ersten Advent bis heute Hosianna gesungen, um Jesus willkommen zu heißen; das Wort erklärt die Schwedische Kirche mit rädda oss (rette uns). Das bekannte Lied Hosianna, Davids son (Hosianna, Davids Sohn) mit der Melodie von Abbé Vogler aus der Zeit um 1795 gehört in Schweden und Finnland zu den bekannteren Weihnachtsliedern und wird vor allem im Advent gesungen.

Interessant finde ich, wie sehr sich die Bedeutung dieser Wochen verändert hat. In der alten Bauerngesellschaft war die Adventszeit eine Fastenzeit, die julfasta (Weihnachtsfasten) hieß: Man aß sparsamer und vor allem weniger Fleisch, Hochzeiten waren verboten und lärmende Arbeiten sollte man vermeiden. Heute verbinden die Schweden die Adventszeit dagegen mit Sternen und Leuchtern, mit Weihnachtsbäckerei, Glögg und Adventskalendern.

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Der Adventsleuchter: ein Licht in jedem Fenster

Der Brauch, an jedem Adventssonntag eine Kerze mehr anzuzünden, kommt ursprünglich aus Deutschland und gelangte in den 1870er-Jahren nach Schweden. Eine wichtige Rolle spielte dabei das Diakonissenhaus Ersta in Stockholm, das deutsche Vorbilder hatte. Anders als bei uns steht in Schweden aber meist kein runder Adventskranz auf dem Tisch, sondern ein gerader Leuchter mit vier Kerzen, die nach und nach heruntergebrannt eine kleine Treppe bilden. Mehr solcher Kuriositäten habe ich Dir in meinen Fun Facts über das schwedische Weihnachten zusammengestellt.

Der elektrische Adventsleuchter mit sieben Lichtern, den Du in so vielen schwedischen Fenstern siehst, ist dagegen eine schwedische Erfindung. Auf Schwedisch heißt er adventsljusstake (Adventsleuchter). Oskar Andersson, ein Mitarbeiter von Philips in Göteborg, baute ihn 1934, indem er aussortierte elektrische Kerzen aus der Christbaumbeleuchtung in einen traditionellen Holzleuchter setzte. Philips war zunächst skeptisch, doch als der Leuchter 1937 auf den Markt kam, waren die ersten 3.000 Stück sofort ausverkauft. Laut einer Umfrage aus den 1990er-Jahren machten damals 92 Prozent der schwedischen Haushalte bei dieser Tradition mit, und auch in Büros, Krankenhäusern und Behörden leuchten die Lichter in den Fenstern.

Warum es ausgerechnet sieben Lichter sind, erklärt die Schwedische Kirche so: Der Advent hat zwar vier Sonntage, eine Woche aber sieben Tage. Vermutlich war außerdem der siebenarmige Leuchter aus dem Tempel in Jerusalem ein Vorbild, und die Sieben gilt als heilige Zahl, die für Ganzheit und Vollständigkeit steht. Für viele Schweden hat der Leuchter aber vor allem eine ganz praktische Bedeutung: Er bringt in den Wochen, in denen es schon am Nachmittag dunkel wird, ein bisschen Wärme ins Haus und auf die Straße.

Der Adventsstern: vom Herrnhuter Stern zur adventsstjärna

Der zweite Klassiker im schwedischen Fenster ist der Adventsstern, auf Schwedisch adventsstjärna. Auch er hat deutsche Wurzeln: In den 1880er-Jahren bastelten Schüler und Lehrer einer Schule im sächsischen Herrnhut die ersten von innen beleuchteten Papiersterne. In der Herrnhuter Brüdergemeine hängte man bei großen Festen wie dem ersten Advent einen solchen leuchtenden Stern auf, und über ihre Missionare kam der Stern in den 1910er-Jahren nach Schweden. Eine der Frauen, die ihn bekannt machten, war Julia Aurelius, die einen Herrnhuter Stern mit nach Lund brachte, wo sie ab 1912 lebte.

Schriftlich taucht das Wort adventsstjärna in Schweden zum ersten Mal 1923 auf, und richtig beliebt wurde der Stern in den 1930er- und 1940er-Jahren. Dazu hat ausgerechnet ein Mann beigetragen, den Du vermutlich aus einem ganz anderen Zusammenhang kennst: Erling Persson, der spätere Gründer von H&M. Weil Adventssterne für viele Haushalte zu teuer waren, ließ er 1941 Hunderttausende günstige, faltbare Sterne aus Pappe herstellen, die man einfach über eine Lampe stülpen konnte. Damit verdiente er das Startkapital für seine erste Boutique, die er 1947 eröffnete, und weil sich wirklich jeder diesen Stern leisten konnte, bekam er den leicht spöttischen Spitznamen proletärstjärnan (der Proletarierstern), unter dem er bis heute verkauft wird.

Heute hängt der Stern meist im Fenster neben dem Leuchter, und er erinnert an den Stern von Bethlehem. Ob klassisch weiß, rot oder aus Holz, viele Schweden haben über die Jahre ihren ganz eigenen Lieblingsstern gefunden, der jedes Jahr am ersten Advent wieder aus der Weihnachtskiste geholt wird.

Wie feiern die Schweden den ersten Advent?

Am ersten Advent wird die erste Kerze angezündet, und vielerorts werden an diesem Wochenende Leuchter und Stern in die Fenster gestellt. Dazu gehört für viele eine gemütliche Adventsfika mit einem Becher Glögg, dem schwedischen Glühwein mit Rosinen und Mandeln, und den ersten pepparkakor (Pfefferkuchen). Wenn Du lieber Kuchen als Kekse magst, probiere einmal meinen weichen Pfefferkuchen, der passt wunderbar zu einem Adventsnachmittag.

Rund um den ersten Advent beginnt am 1. Dezember auch die Zeit der Adventskalender. Wie die Schweden die Idee aus Deutschland übernommen haben und warum der Fernseh-Adventskalender dort seit 1961 einfach dazugehört, liest Du in meinem Artikel Gibt es Adventskalender auch in Schweden? Und nur wenige Tage später folgt mit dem 13. Dezember schon das nächste Lichterfest, über das ich Dir in meinem Artikel über Lucia von meinen eigenen Erlebnissen erzähle.

Kleines Advents-Wörterbuch

Mit diesen Wörtern kannst Du die schwedische Adventszeit gleich ein bisschen besser verstehen. Bei den Substantiven steht der Artikel en oder ett gleich dabei, damit Du sie richtig verwendest:

  • första advent – erster Advent: der Startschuss für die Weihnachtszeit
  • en adventsljusstake – ein Adventsleuchter: meist elektrisch und mit sieben Lichtern
  • ett adventsljus – eine Adventskerze: eine für jeden Adventssonntag
  • levande ljus – echte Kerzen: wörtlich „lebende Lichter“
  • en adventsstjärna – ein Adventsstern: hängt oft neben dem Leuchter im Fenster
  • ett fönster – ein Fenster: hier stehen Leuchter und Stern
  • en julkalender – ein Adventskalender: wörtlich „Weihnachtskalender“, man sagt aber auch adventskalender
  • en glögg – ein Glühwein: in Schweden mit Rosinen und Mandeln
  • en pepparkaka – ein Pfefferkuchen: im Plural pepparkakor
  • en tomte – ein Wichtel: mehr über den schwedischen Wichtel
  • mysig – gemütlich: das Lieblingswort der Adventszeit
  • Glad första advent! – Einen schönen ersten Advent! Genauso üblich ist Trevlig första advent!

Weitere Wörter und fertige Sätze für Deine Weihnachtskarte findest Du auf meinem Lernblog im Artikel Weihnachten auf Schwedisch. Dort lernst Du zum Beispiel, wie Du auf Schwedisch frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr wünschst.

So holst Du Dir den schwedischen Advent nach Hause

Das Schöne an den schwedischen Adventstraditionen ist, dass Du sie ganz leicht übernehmen kannst. Stell Dir zum ersten Advent einen Leuchter mit sieben Lichtern ins Fenster und häng einen Papierstern daneben, und schon sieht Dein Zuhause von draußen ein bisschen aus wie ein Haus in Schweden. Am Nachmittag lädst Du Freunde oder Nachbarn zu einer kleinen Adventsfika mit Glögg und Pfefferkuchen ein, und wenn Du magst, wünschst Du ihnen dazu ein fröhliches Glad första advent!

Bei mir steht auch schon seit 3 oder 4 Jahren im Fenster ein adventsljusstake. In der Weihnachtszeit leuchtet er immer. Und um ehrlich zu sein, steht er auch im restlichen Jahr im Fenster. Aber da ist er nicht an. Das Leuchten hebe ich mir für die dunkle Jahreszeit auf.

Wie die Schweden Weihnachten feiern, von Lucia bis zum Julbord, und wie Du Dir davon etwas nach Hause holst, liest Du in meinem Artikel Schwedische Weihnachten nach Hause holen. Und wenn Du für Dich oder einen lieben Menschen einen Adventskalender mit Schweden-Gefühl zusammenstellen möchtest, bekommst Du in meinen 24 Ideen für einen Adventskalender für Schwedenfans jede Menge Anregungen.

Dein nächster Schritt: Advent mit ein bisschen mehr Schweden

Du möchtest noch mehr Schwedisches in Deinem Advent haben? Dann habe ich noch etwas für Dich.
Adventskalender, die ich extra für alle Schweden-Fans erstellt habe. Egal ob Du in der Adventszeit ein paar Minuten für Dich alleine haben möchtest oder ob Du gerne mit einer anderen Person gemeinsam diese Zeit genießt und eine kleine Auszeit nehmen magst. Für beide ist etwas dabei.
Mein schwedischer Adventskalender* und Schwedisches Adventsduell* versüßen Dir die Adventszeit.

Und wenn Du für die ruhigen Adventsabende noch etwas zum Entspannen suchst, schau Dir meine schwedischen Malbücher an: Für Kinder ab 4 Jahren gibt es das Elch-Malbuch und das Malbuch mit schwedischen Tieren, und für Dich selbst ein Mandala-Malbuch mit skandinavischen Mustern. Ein Malbuch ist übrigens auch ein schönes Mitbringsel für eine Adventsfika oder eine Kleinigkeit für den Adventskalender.

Glad advent!

Ob Du in diesem Jahr in Schweden bist oder Dir den schwedischen Advent nach Hause holst: Ein Leuchter im Fenster, ein Stern daneben und eine Tasse Glögg reichen schon, um ein bisschen von dieser besonderen Stimmung zu spüren. Ich wünsche Dir eine gemütliche, lichterfüllte Adventszeit, oder wie die Schweden sagen würden: Glad advent!

Wie sieht Dein Fenster in der Adventszeit aus? Hast Du einen schwedischen Adventsleuchter oder einen Stern, oder hast Du die Lichter vielleicht sogar schon einmal in Schweden erlebt? Ich freue mich, wenn Du es mir in die Kommentare schreibst.


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