Buchrezension - Lagom Linnea Dunne
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Carina Middendorf von Svenska Intensiv kenne ich schon länger von meiner ehrenamtlichen Arbeit in der schwedischen Kirche in Hamburg.
Als sie vorschlug, ob wir nicht eine gemeinsame Rezension zu dem Buch Lagom – Glücklich leben in Balance von Linnea Dunne* schreiben wollen, habe ich natürlich gleich zugesagt.
Wie sagte Carina? Wir schreiben unsere Eindrücke aus der Sicht einer in Deutschland lebenden Schwedin und einer schwedenverliebten Deutschen.

Carinas Rezension:

Die Autorin Linnea Dunne ist eine recht junge, blonde Schwedin, und auf dem Autorenfoto sieht sie aus, als wäre sie gerade aus Bullerbü ausgezogen, um etwas von der Welt außerhalb des Dorfes kennenzulernen. Die Materie kennt sie also, aber sie ist auch Journalistin und versteht etwas vom Schreibhandwerk. Sie lebt seit Jahren in Dublin, deswegen ist das Buch im Original in Englisch erschienen und in manchen Details dem Leben auf der Insel angepasst.

Das Buch hat ein wunderbares Format, 14 x 18 cm, und ist optisch sehr ansprechend. Es springt einem ins Auge, weil es farblich und größenmäßig ganz anders gehalten ist, als das, was sonst im Buchhandel herumliegt. Von mir gibt es einen extra Pluspunkt dafür, dass es weder in den Farben blau und gelb gestaltet ist, noch einen Elch auf der Vorderseite prangen hat. Dafür ist das Wort LAGOM, ein paar dampfende Kaffeetassen, Zimtschnecken und ein Pärchen auf einem Tandem zu sehen. Wenn man es aufschlägt, ist es sehr ansprechend gestaltet und leicht geschrieben, es gibt viele Bilder und kleine Kästchen für Tipps und Erklärungen. In sieben übersichtlichen Kapiteln werden die verschiedenen Aspekte des Themas LAGOM beschrieben, und falls man etwas Spezielles sucht, müsste man es schnell finden können. Es ist aber ohnehin nicht besonders schwer zu lesen, man schafft das ganze Buch locker an einem Abend. Die ganze Aufmachung ist luftig, fast fluffig und erinnert an ein Coffetablebook, aber im Westentaschenformat. Das Einzige, was ich nicht so gelungen finde, ist, dass schwarze Buchstaben auf Dunkelgrün oder Bordeaux, recht schwer zu entziffern sind.

Soweit war es ganz einfach! Jetzt zu dem Inhalt, von dem ich denke, dass ich als Schwedin durchaus etwas davon verstehe oder zumindest eine Meinung dazu habe. Doch, ich finde, dass Linnea Dunne sowohl das LAGOM als auch das Schwedische daran richtig gut einfängt. Vieles von dem, was sie beschreibt, versuche ich selbst seit Jahren meiner deutschen Umwelt zu erklären, zum Beispiel das Wort motion, was nicht richtig Sporttreiben, aber etwas mehr, als nur ein bißchen Bewegung bedeutet. Oder warum wir lieber zu Hause bleiben und für Freunde kochen, als rauszugehen. Was es heißt, den Waschkeller mit den Nachbarn zu teilen und warum Design in allen Lebenslagen uns wichtig ist. Das Kapitel über Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern macht mir Mut und das über Kreativität gibt mir gute Laune.

Allerdings stimme ich nicht mit Linnea Dunne überein, wenn es darum geht, dass man von den Schweden immer eine ehrliche Antwort bekommt, sogar auf die banale Frage „Wie geht es?“. Meine Erfahrung ist eher, dass alle nur reflexmäßig „gut“ sagen und unverbindlich lächeln, auch wenn es offensichtlich ist, dass das nicht der Fall ist. Naja, erkältet darf man sein und müde auch, aber wenn man Burnout hat oder gerade eine Trennung durchsteht, wird das nicht jedem Gesprächspartner erzählt.

Da ich sehr gerne koche und auch manchmal schwedische Kochkurse gebe, habe ich mir die Rezepte mit Interesse angeschaut. Sie sind für irländische Verhältnisse vermutlich perfekt, da, zum Beispiel, die Zimtschnecken mit Trockenhefe zubereitet werden sollen. In Irland ist es, im Gegensatz zu Deutschland, ungewöhnlich, mit frischer Hefe zu arbeiten, aber hier wäre es angebracht, auf Trockenhefe zu verzichten und mit einem dafür angepassten Rezept ist die Fika-Pause gerettet! Beim Västerbottenpaj wird vorgeschlagen, den Västerbottenkäse gegen Cheddar und Parmesan auszutauschen. Für Irland perfekt, weil Cheddar da ein gängiger Käse ist, das funktioniert ebenso für Deutschland, auch wenn ich vermutlich eher auf Tilsiter mit Parmesan gekommen wäre.

Carina Middendorf

Carina Middendorf; Fotograf: Ludwig Middendorf

Es hat mir Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Ich habe oft geschmunzelt und gedacht „Ja, genau!“ zwischendurch hatte ich leichte Anflüge von Heimweh. Also, das Buch eignet sich sowohl für alte Schwedenhasen wie mich, als auch für Neulinge die etwas mehr über Schweden erfahren möchten, außer, dass alle blond sind und aus Bullerbü kommen.

/carina

 

 

Lagom: Glücklich leben in Balance*
von Linnea Dunne
Übersetzung: Anne Görblich-Baier
Verlag: Callway
Herausgegeben im Jahr 2017

Henrikes Rezension:

Es kann passieren, dass sich meine Eindrücke mit denen von Carina decken, aber ich möchte meine Wahrnehmungen schildern und nur weil es schon einmal geschrieben wurde, nicht weglassen.

Was ist eigentlich Lagom? Du siehst es vielleicht in den letzten Monaten überall und stellst Dir dann immer wieder diese Frage. Lagom bedeutet: nicht zu viel, nicht zu wenig, sondern genau richtig.
Und das ist ein Lebensstil, den Linnea Dunne, eine in Irland lebende Schwedin, in einem Buch zusammengefasst hat, damit auch wir schwedenverliebten Deutschen etwas von der Mentalität mitbekommen.

Das, was mir als erstes auffällt, ist sowohl das Format des Buches als auch die Haptik. Ein kompaktes und sehr ansprechendes Buchformat mit einem Hardcover und dickeren Seiten, in denen man gerne blättert. Jede Seite ist liebevoll, entweder mit Fotos oder Illustrationen, gestaltet und passt durch die matten Seiten ideal zum Thema Lagom. Das Thema ist in sieben unterschiedliche Kapitel unterteilt und auch innerhalb der Kapitel ist das Lesen sehr kurzweilig. Um nur mal zwei Kapitel zu nennen: Lagom Essen und Lagom für den Planeten. Die Autorin Linnea Dunne schreibt nicht in einem durchgehenden Text, sondern verwendet verschiedene Stilmittel wie kleine Boxen mit Tipps, Interviews oder beim Kapitel Essen werden von ihr auch verschiedene Rezepte vorgestellt.

Beim Durchlesen des Buches ist mir immer wieder aufgefallen, dass ich innerlich gedacht habe: Ja, das stimmt so. Ich habe zwei Jahre in Schweden gelebt und viele Jahre mit Schweden zusammengearbeitet und durfte somit ihre Art zu leben und zu arbeiten live miterleben.

Zum Beispiel, dass die Schweden ihre Arbeit ernst nehmen, aber nach der vereinbarten Zeit auch wirklich nach Hause gehen. Ist die Arbeitszeit am Tag um 16:30h zu Ende findet man um 16:35h an den wenigsten Arbeitsplätzen noch Personal.

Den Schweden ist es wichtig Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen. Und dabei ist es dann egal, ob sie sich auf dem Spielplatz oder im Park treffen oder bei jemandem zu Hause einfach nur bequem zusammensitzen. Wenn Du nicht nur zu Besuch oder als Urlauber in Schweden bist, wirst Du schnell feststellen, dass die Schweden zwar gerne ausgehen, es sich aber noch lieber zu Hause gemütlich machen.

Ist Dir auch schon aufgefallen, dass die Schweden ihre Natur lieben? Auch das wird in dem Buch von Dunne aufgegriffen. Ich kenne eigentlich keinen Schweden, der in seiner Freizeit nicht viel in der Natur ist. Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Ob es Grillpartys sind, Sport im Park, der Sommerurlaub, der im Sommerhäuschen gerne auch abgeschieden verbracht wird oder im Winter das Ski- oder Schlittschuhfahren.
Und auch wenn viele Schweden in Städten wohnen, ist es bis zur freien Natur nie weit. Darauf achten sie schon sehr, dass die frische Luft immer nur ein Katzensprung entfernt ist.

Für mich als Deutsche ist dieses Buch eine Möglichkeit auch vom heimischen Sessel aus kurz mal nach Schweden abzutauchen. Wir können uns so viel von den Schweden abgucken, damit wir ein entspannteres Leben, mit weniger Stress, führen. Wir wissen es eigentlich alle und hier in diesem Buch sind sehr viele Tipps, die auch leicht umzusetzen sind. Es müssen ja nicht gleich alle auf einmal sein. Und das ein oder andere machst Du sicherlich sowieso schon.

Hast Du das Buch schon gelesen und was denkst Du darüber?


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Buchrezension Lagom Linnea Dunne entspannt Gras Wiese